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Die Sehnsucht nach Politik

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  Der dicke, republikanische Gouverneur von New Jersey hat für Präsident Obama die Wahl gewonnen. Und er hat das getan, was die Amerikaner von den Republikanern während der Amtszeit Obamas vergeblich erwartet haben: Er hat mit Obama zusammengearbeitet und Obama dafür gelobt und auf die Wahl geschissen.
Es ist eine so einfache Sache, und trotzdem ist diese einsame, republikanische Geste angesichts des Hurrikans “Sandy” keineswegs selbstverständlich -  im Gegenteil weit weg davon, gerade in ihrer Ehrlichkeit und Direktheit. Und sie konterkarikiert etwas, das zu vertuschen den Republikanern hervorragend gelungen ist: Die Entpolitisierung der republikanischen Partei, der völlige Verlust von Staatsräson.

  Für einen Europäer, der noch dazu aus einem Kleinstaat stammt, mag es verwunderlich sein, dass die Zusammenarbeit zwischen Republikanern und Demokraten in den USA Tradition hat – nicht nur im Krieg oder bei Katastrophen: In Obamas erstem Kabinett gab es gleich vier republikanische Schwergewichte: Ray LaHood (Verkehrsminister), John McHugh (Heeresminister), Robert Gates, (Verteidigungsminister) und Chuck Hagel (Co-Vorsitzender des Geheimdienstausschusses).
Doch diese Tradition wurde gerade unter Obama nur einseitig fortgesetzt. Die republikanische Partei sabotierte Obama, wo sie nur konnte, und spuckte ihm ins Gesicht, anstatt die ausgestreckte Hand anzunehmen. Die innere Zerrissenheit der Grand old Party machte jegliche Konzilianz zunichte. Die radikale, fundamentalistische Tea-Party-Bewegung zerstörte die Fähigkeit der Republikaner, gleichermaßen Bundespolitik und Zugeständnisse zu machen, und das angesichts globaler Herausforderungen, die dem Wirbelsturm Sandy in ihrer zerstörerischen Kraft um nichts nachstanden: Finanzkrise, arabischer Frühling, Klimaerwärmung, Peak-Everything.

  Dass nun ein Republikaner, der eingangs erwähnte dicke Gouverneur von New Jersey, der auch bekannt dafür ist, schon früher gegen die Blockadepolitik seiner Partei Stellung bezogen zu haben, Obama lobt, mit ihm zusammenarbeitet und damit eventuell entscheidend zu dessen Wiederwahl beiträgt, hat Klasse. Und es zeigt, wie absurd in Amerika eine Selbstverständlichkeit geworden ist: Dass ein konstruktives Miteinander allen hilft, und dass es die Essenz der Politik ist.

  Und ich denke, Obama wird aus genau diesem einen Grund nicht mit einem hauchdünnen, sondern mit einem deutlichen Vorsprung gewinnen.

  Danke, Chris Christie!

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Von → Politik, Psychologie

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